7 Feb
2013

Interkulturelle Kompetenz für Ingenieure?!

Wer denkt, jetzt geht es darum, wie Ingenieure sich in und mit anderen Kulturen verhalten können, der hat sich leider geirrt. Natürlich liegt diese Assoziation nahe, denn gerade technische Produktmanager, Entwicklungsingenieure, Serviceingenieure und viele andere technische Berufe haben täglich mit Menschen aus anderen Kulturen zu tun und stöhnen derweil über die – aus ihrer Perspektive großen – Unterschiede in Herangehensweisen an Themen, Zeiten und Kunden.

Nein, es geht um die Kompetenz der möglichen Begleiter, also diejenigen, die Ingenieure in Training, Coaching, Beratung oder Therapie begleiten. Meist geht es dabei weniger um technische Themen sondern vielmehr um die sogenannten soziale Kompetenzen.

Ein aktueller Artikel aus den VDI-Nachrichten[1] beschreibt, „dass technisch Orientierte zu stark fachlich fokussiert seien“, sich unter Wert verkaufen würden und sich eher zufallsgetrieben durch ihr Berufsleben leiten lassen.

Diese bewertete Kategorisierung spiegelt vermutlich viele Erfahrungen professioneller Begleiter wieder. Stimmt sie denn?

(Stereo-)typisierungen ist zu Eigen, dass die Wahrheit in der subjektiven Wahrnehmung des Betrachters liegt. So ist es sehr wohl sichtbar, dass Menschen, die technische Studiengänge belegen sich während dieser Zeit hauptsächlich mit Themen und Problemen beschäftigen, die mit zweiwertiger Logik zu tun haben: Es gibt In/Output oder ein Fehler und dazu eine Lösung, um das verkürzt darzustellen. Das ist ähnlich bei Rechtsanwälten, die sich bekanntlich ebenso mit zwei Polen beschäftigen: Recht oder Unrecht. Jegliche Grauzonen dazwischen gibt es quasi nicht (entweder die Maschine geht oder sie geht nicht) oder es wird alles versucht diese Zustände zu vermeiden. Schaut man einmal rüber, in eine andere Fakultät, z.B. der Sozialwissenschaften, dann wird man schnell feststellen, dass dort Situationen aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachten werden. Falsch oder Richtig gibt es quasi dort nicht, sondern nur angemessen oder unangemessen. So ist wohl jeder Richtung auch eine Perspektive zu eigen.

Der Neurobiologe Gerald Hüther beschreibt das, was im Gehirn dabei passiert sehr praktisch[2]: „Wenn ein Mensch immer wieder mit bestimmten Belastungen konfrontiert ist, die er dann mit dem „Anschub“ seiner dadurch ausgelösten Stressreaktion bewältigt, kommt es im Gehirn zur Aktivierung bestimmter Schaltkreise, die die Hirnforscher Belohnungssystem nennen. Dann werden vermehrt Botenstoffe wie Dopamin und endogene Opiate und andere Peptidhormone ausgeschüttet. Die verstärken nicht nur das gute Gefühl, das sich dann ausbreitet, sondern auch die synaptischen Verschaltungsmuster, die zur Bewältigung des betroffenen Problems aktiviert worden sind. So werden aus anfänglich noch recht dünnen Nervenwegen zur Lösung bestimmter Probleme allmählich „Straßen“ und wenn man dann „erfolgsgebahnt“ immer weiter macht, entstehen schließlich „Autobahnen“ im Hirn, von denen man allerdings später allzu oft leider nur noch schwer wieder herunterkommt. Allzu viel Erfolgsbahnung macht uns also nicht nur sehr einseitig zu Spezialisten, sondern leider allzu leicht auch zu Fachidioten. Gelegentliches Scheitern ist „hirntechnisch“ betrachtet also durchaus empfehlenswert.“

Was bedeutet das nun für diejenigen, die Menschen in ihrer (persönlichen) Entwicklung begleiten?

Die Antwort liegt auf der Hand und kommt fast „besserwisserisch“ daher:

Es geht hier um die eigene Haltung und die Flexibilität für verschiedene Denk-, Kommunikations- und Verhaltensstile – und zwar von Seiten der Begleiter. Sie bzw. wir müssen uns immer wieder selbst entwickeln, unsere Denk-Autobahnen verlassen und für uns neue Trampelpfade eingehen. Also benötigen wir interkulturelle Kompetenz, damit wir mit Menschen aus z.B. verschiedenen Berufs-, Unternehmens- und Branchenkulturen erfolgreich arbeiten können.

 



[1] http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/Karriereberater-fuer-Ingenieure/62371/4

[2] http://www.karrieremagazin.net/ausgabe-42009/interview-mit-gerald-huether.html

von: Gesa Krämer | Kategorie: Karriereberatung

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