19 Dez
2018

Die wahre Geschichte der Zahnmännlein – Mein Weihnachtsgeschenk

Statt Karten, Weinflasche & Co. Viel Spaß!

Sicher habt Ihr schon mal von Zahnmännlein gehört. Vielleicht hat man Euch erzählt, dass diese ganz böse sind und Löcher in Eure Zähne bohren, wenn Ihr Euch nicht die Zähne putzt. Das klingt richtig gemein oder? Meine kleine Tochter Paula kannte auch diese Geschichte und erzählte sie mir. Sie ist ein lustiges 5-jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen.

Zeichnung: Eric Flämig

Sie weiß auch, dass Zähneputzen wichtig ist und hat oft keine Lust dazu. Ihr kennt das ja.

So richtig konnte ich die Löcher-bohr-Geschichte ja nicht glauben. Das war sicherlich so ein Schauermärchen, mit dem man den Kindern Angst macht, nur damit sie sich die Zähne putzen.

Zeichnung: Eric Flämig

Und weil ich meiner Paula keine Angst machen will,  hab meine Freundin Annette aus Berlin gefragt. Extra für Euch und für Paula. Annette ist Kieferchirurgin und kennt sich aus mit allem, was mit Zähnen zu tun hat.

Zeichnung: Eric Flämig

Ich sie also gefragt: „Du, Annette, stimmt es, dass die Zahnmännlein den Kindern Löcher in die Zähne bohren. So richtig mit kleinem Bohrer und so?“

Zeichnung: Eric Flämig

Annette hat nur gelacht: „Wer hat Dir denn den Bären aufgebunden?“

Ich drehte mich erschrocken um die eigene Achse.

Ein Bär?!

Wo?!

Auf meinem Rücken??? Wie is der denn da hin gekommen?!

Zeichnung: Eric Flämig

Doch Annette beruhigte mich gleich wieder: „Das sagt man doch nur so, wenn einem eine Geschichte erzählt wird, die nicht stimmt. Naja, jedenfalls nicht richtig.“

Ach so. Uff. Da war ich aber beruhigt. Doch jetzt sag mal Annette, wie ist das denn nun mit den Zahnmännlein? Wenn die keine Löcher in die Zähne bohren, dann muss ich mir also nicht mehr die Zähne putzen?

Annette hob Augenbrauen und Zeigefinger und sah mich streng an: „Nee, meine Liebe. So einfach kommst Du nicht davon. Du musst Zähne putzen und Deine Paula auch. Als Zahnmännlein werden Bakterien bezeichnet, die aus den Nahrungsresten in Deinem Mund Säure herstellen und diese Säure macht den Zahn kaputt und im schlimmsten Fall ein Loch rein. Ganz ehrlich: Die Bakterien futtern die Nahrungsreste, und kacken dann Säure wieder aus.“

Bähhhh! Hätte ich doch lieber nicht gefragt! Das ist ja noch ekliger als Löcher rein bohren. Meine Paula hatte zugehört und nahm die Zahnbürste, drückte ordentlich Zahnpasta aus der Tube und fing an, zu schrubben.

Zeichnung: Eric Flämig

Doch plötzlich hörte sie…

Ey! Sach ma! Ick gloobe ick spinne! Jrade hab ick meene Isomatte ausjerollt, da kommt die mit ihre olle Zahnbürste umme Ecke. Und. IIIgitt, die Zahnpaste. Natüüüürlich! Dit muss ja nu ooch wieder sein. Wo ick die soooo jut leiden kann! pfuideibel is dit Zeuch eklig!

Erna!! Mann! Sitzt Du off Deine Ohrn! Wir könn´wieder inpackn. Die Kleene kommt mit de Zahnbürste.“

Zeichnung: Eric Flämig

Meine Güte, der schimpft aber! Das war Fritz. Ein Zahnmännlein aus Berlin, der sich mit seiner Frau Erna in Paulas Mund häuslich niederlassen wollte.

Zeichnung: Eric Flämig

Er ist selbstverständlich winzig klein und hat eine sehr schlanke Figur. Drahtig kann man dazu sagen. Seine Haare sind halblang und ein bisschen fettig. Er kämmt sie mit einem abgekauten Plastikkamm immer schön streng nach hinten. Am liebsten trägt er ein Feinrippunterhemd und ausgewaschene Jeans. Eine Schönheit ist er nicht. Er ist auch ziemlich unzufrieden mit sich und der Welt. Am meisten ärgert es ihn, dass er so unbeliebt ist und dass er als Zahn“männlein“ bezeichnet wird. Wie das schon klingt! Klar, er ist klein. Winzig klein. Aber muss man ihn auch noch jeden Tag daran erinnern, indem man ihn „Zahnmännlein“ nennt. Zahnmann. Das wär´s. Schließlich ist er ein gestandenes Mannsbild und hat schon viele Löcher in Zähne… Naja.

Erna ist die Frau von Fritz. Sie ist eigentlich eine ganz Liebe. Ein bisschen schüchtern. Sie redet wenig und hat immer Lockenwickler auf dem Kopf und eine geblümte Schürze an. Auch sie ist unglücklich über die doofe Aufgabe, die sie als Zahnmännlein zu haben scheint. „Löcher in Zähne machen. So was Blödes. Da hätte sich die Natur für mich auch mal was besseres ausdenken können. Und außerdem: Als „Zahnmännlein“ bezeichnet zu werden, ist die Höhe! „Schließlich bin ich eine Frau. Klein zwar aber kein Männlein.“ Erna mag die kleine Paula sehr. Sie würde sie so gern zum Lachen bringen und Schabernack mit ihr treiben. Paula hat nämlich ein Lachen, dass so fröhlich scheppert, dass allen das Herz auf geht. Auch Erna.

Zeichnung: Eric Flämig

Jetzt kennt Ihr die beiden Herrschaften.

Paula hatte sich erschrocken und hielt Ihre Hand an die Unterlippe. Fritz und Erna traten auf ihre Hand.

Zeichnung: Eric Flämig

Fritz hatte energisch die Hände in die Hüften gestemmt und wippte mit dem Fuß. Erna stand händeringend hinter ihm und versuchte, ihn zu beruhigen.

Fritz polterte angriffslustig los: „Sach ma, haste noch alle Tassen im Schrank! Du kannst uns doch ni mit deine blöde Zahnbürste vertreibn! Jrade ham wa unsere Sachen ausjepackt und wollten uns bei Dir inrichten. Weeßte überhaupt, wie schwer dit is, ne Bleibe zu finden?“

Zeichnung: Eric Flämig

Paula schaute ihn verdutzt an und ich wurde sauer: „Was fällt Dir ein, meine Paula so zu beschimpfen! Ich spül Euch gleich in den Abfluss!“

Zeichnung: Eric Flämig

Da meldete sich Erna mit zitternder Stimme: „Oh bitte nicht in den Abfluss! Da ist es kalt und man weiß nie wo man hingespült wird!“

Paula hatte sofort Mitleid mit Erna. Sie hatten sich schon ein bisschen gegenseitig angezwinkert und Paula gefielen die Lockenwickler und die bunte Schürze. Irgendwie sah Erna aus, wie eine winzig kleine Omi. Sie sagte daher zu mir: „Mama, wir müssen den beiden helfen.“

„In deinem Mund können sie aber auf keinen Fall bleiben!“ erwiderte ich und funkelte Fritz dabei böse an. Er schien mir der eigentliche Übeltäter zu sein. Ich würde ihn im Auge behalten.

Paula überlegte und da sie ein kluges Kind ist, hatte sie folgende Idee: „Wir könnten die beiden doch in der Biotonne wohnen lassen. Da gibt es auch Nahrungsreste und da stört es nicht, wenn die beiden, na du weißt schon – hinkacken.“

Zeichnung: Eric Flämig

„Biotonne?! Haste se noch alle! Da isset saukalt! Es is Winter Frollein! Minus 30 Grad.“ Da war zwar übertrieben aber er hatte schon Recht. Im Winter ist es in der Biotonne ziemlich kalt.

Paula, die sich von Fritz nicht beeindrucken ließ, überlegte einfach weiter: „Wie wäre es, wenn ich Euch in den kleinen Biomülleimer in unserer Küche wohnen lasse? Ihr könnt da bleiben und müsst nur aufpassen, wenn wir ihn nach draußen schaffen, dass ihr nicht in die große Mülltonne gekippt werdet.

Zeichnung: Eric Flämig

Erna nickte eifrig. Ihr gefiel der Plan. Doch Fritz wollte nicht so richtig. Doch Erna erinnerte ihn daran, dass wir die mit der großen Zahnbürste und dem Abfluss waren. Er knurrte, willigte aber ein. Paula ließ ihn und Erna also auf ihrer Schulter Platz nehmen, spuckte die Zahnpasta aus, spülte, gurgelte und ging mit den beiden in die Küche. Dort setzte sie sie in den kleinen Biomülleimer.

Das ist also das Ende der Geschichte. Nie mehr Zähne putzen!

Doch da hatte Paula nicht mit Fritz gerechnet. Er kam immer wieder zurück. Ich hatte schon richtig vermutet. Den Kerl musste man im Auge behalten. Erna auch. Sie erklärte Paula, dass sie als Zahnmännlein nicht anders könnten, als in den Mund zurück zu kehren. Sie versprach aber, dass sie sich in den kleinen Biomülleimer setzen lassen würde, wenn Paula morgens und abends die Zähne putzt. Und sie versprach, dass sie den Fritz mitnehmen würde.

Und so kam es, dass sich Paula jeden Abend und jeden Morgen schon richtig darauf freute, nach Fritz und Erna Ausschau zu halten. Sie fand sie immer. Auch wenn sie sich hinter einem Backenzahn versteckten. Paula schrubbte die Zähne, hielt dann ihre Hand an die Unterlippe,  ließ die beiden aufsteigen und trug sie zum Mülleimer. Im Laufe der Zeit freundeten sie sich miteinander an. Fritz erzählte Paula, dass er viel lieber eine nützliche Aufgabe hätte und ein rotes Rennauto. Paula versprach, darüber nachzudenken, doch das ist eine andere Geschichte.

Zeichnung: Eric Flämig

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von: Dr. Sandra Flämig | Kategorie: Allgemein Blog

Sandra Flämig hat 4,96 von 5 Sternen | 120 Bewertungen auf ProvenExpert.com