10 Jul
2009

Ausbilden und gewinnen! – Fachtag voller Erfolg

von Dr. Sandra Flämig: Rechtsanwalt – Fachanwältin für Arbeitsrecht Stuttgart

Wie passen Wirtschaftskrise und Fachkräftemangel zusammen?

Umfragen zufolge haben gerade kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) beim Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte das Nachsehen. Die Mehrzahl der kleinen Industrie- und Handwerksbetriebe hat Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu bekommen.  KMU´s haben aber ein Pfund, dessen sie sich oft nicht bewusst sind, mit dem sie aber wuchern sollten: Sie werden nicht nur familienfreundlicher und flexibler wahrgenommen. Sie sind es auch. Und gerade Familienfreundlichkeit und Flexibilität sind für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehr wert als nur die Bezahlung.

Dem steht gegenüber, dass gerade junge Frauen, die keinen Ausbildungs- oder gar Schulabschluss haben und früh Kinder bekommen haben, es sehr schwer haben, den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt zu finden. Bei richtiger Förderung und Begleitung gelingt es ihnen jedoch, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen und Ausbildungsreife zu erlangen bzw. eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Sie werden Fachkräfte. Betriebe haben jedoch Berührungsängste mit diesem von ihnen als „schwierig“ eingeschätzten Klientel.

Das Stuttgarter „Netzwerk Qualifizierzung und Ausbildung für Frauen“ hat diese Problematik gesehen.

Am 9.7.2009 fand im Stuttgarter Rathaus von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr ein vom Netzwerk organisierter Fachtag für Betriebe statt. Der große Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses war gut gefüllt. Unternehmerinnen und Unternehmer, Fach- und Führungskräfte wurden kurzweilig und anhand zahlreicher Praxisbeispiele über die Möglichkeiten von Teilzeitausbildung, Umschulung, Nachqualifizierzung, Kinderbetreuung und Unterstützungsangebote informiert. Sie konnten dabei auch ihre Wünsche und Forderungen formulieren, die sie an die Politik haben, damit die Ausbildung chancenarmer Frauen zu einer win-win-Situation für Betrieb und Auszubildende wird. Das Netzwerk Qualifizierung und Ausbildung für Frauen ist mit seinem ersten Fachtag für Betriebe sehr zufrieden. Die Resonanz der Gäste war durchweg positiv. Jetzt heißt es: dran bleiben und die von den Gästen geäußerten Anregungen und Wünsche aufzuarbeiten und an die Politik und die Kammern weiterzutragen. Das Netzwerk wird immer wieder nachhaken und beim nächste Fachtag für Betriebe resümieren können, welche der angesprochenen Punkte verwirklicht wurden und welche nicht. Großes Thema war vor allem die in Stuttgart (aber auch in anderen Kommunen Baden-Württembergs) immer noch nicht ausreichend ausgebaute Kinderbetreuung. Diese gleicht noch immer einem Flickenteppich, so das Resümee der anwesenden Gäste und VeranstalterInnen. Vor allem die ganztägige Betreuung der 0 bis 3-Jährigen und der 6-12-Jährigen ist ein großes Problem. Es gibt sogar Mütter, die ihre Kinder für die Schule ein Jahr zurückstellen lassen, weil sie keinen Hortplatz bekommen haben! Eltern, die in Schichten und am Wochenende arbeiten müssen, schauen regelmäßig in die Röhre, weil es Betreuungsangebote für ihre Bedürfnisse einfach nicht gibt. Das muss sich ändern und auch an dieser Stelle werden die Netzwerkerinnen und Netzwerker immer wieder nachhaken. Familie und Beruf gehören zusammen. Familie ist kein Frauenthema, sondern ein Gesellschaftsthema. Ein Fazit der Veranstaltung lautete daher: Wenn wir gute Fachkräfte für unsere Betriebe haben wollen, dann müssen wir ihnen eine Umgebung schaffen, die es ihnen leicht macht, ihrem Beruf nachzugehen und Kinder zu haben. Kinderbetreuungsangebote entscheiden in Zukunft darüber, wo sich Fachkräfte ansiedeln werden – das ist ein wichtiger Faktor, der auch die Wirtschaftsförderer interessieren sollte.

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von: Dr. Sandra Flämig | Kategorie: Familie und Beruf

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